Lies schneller!

„19 Min. verbleiben für das Kapitel.“

Ich halte mich ja für jemanden, der mit Druck umgehen kann, aber die neueste Spielerei in der Kindle-App auf meinem iPad treibt mich in den Wahnsinn. Links unten findet sich neuerdings eine Anzeige zur verbleibenden Lesedauer. Wahlweise für das komplette Buch oder das jeweilige Kapitel. Kalkuliert wird auf Basis der Blättergeschwindigkeit, was zu deprimierenden Effekten führen kann. Für Sachbücher hält mich die App regelmäßig für schneller als ich es tatsächlich bin. Da ich Abschnitte, die mir keinen Erkenntnisgewinn bringen, zügig überfliege, mache ich gut Meter, nur um anschließend in spannenden Kapiteln hängenzubleiben.

Dafür lasse ich Romane oder tiefer greifende Themen gerne mal sacken, während ich unmotiviert in die Gegend starre – was die App als Schneckentempo interpretiert und sie die verbleibende Zeit nach oben korrigieren lässt.

„3 Std. und 46 Min. verbleiben für das Buch.“

Ja doch!

Ich fühle mich beobachtet und kontrolliert. Und finde es gleichzeitig irrsinnig spannend, diese Zahlen zu sehe. Wenn es jetzt noch Auswertungen zur Geschwindigkeitsentwicklung gäbe. Oder Vergleich mit anderen Lesern des Buches. „75% der Leser dieses Buches waren schneller als Sie.“ Ich würde glatt wieder auf Papierbücher zurückgreifen.

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Warum uns Angst tötet

Eine weitere Woche, die wenig Raum für Muße ließ. Immerhin fand ich am Flughafen und im Hotel etwas Zeit, das vor längerer Zeit begonnene Buch weiterzulesen. Das Gewissen war trotz viel wartender Arbeit still, immerhin geht das als Fachbuch durch.
Risk: The Science and Politics of Fear

Normalerweise beschäftige ich mich mit einer anderen Art von Risikomanagement. Aber nicht ohne Grund nehmen sich auch Experten wie etwa Bruce Schneier auch immer wieder der psychologischen Komponente von Sicherheit an. Wann und warum fühlen wir uns sicher? Was treibt uns an? Und welche Konsequenzen hat das?

Ein gleichermaßen faszinierendes wie auch trauriges Beispiel ist der Aktionismus, der nach den Attentaten des 11. September eintrat. War Fliegen noch sicher? Im Vergleich schon, egal was uns unser Bauchgefühl (ein wichtiges Thema im Bauch) auch einreden mochte.

An American professor calculated that even if terrorists were hijacking and crashing one passenger jet a week in the United States, a person who took one flight a month for a year would have only a 1-in-135,000 chance of being killed in a hijacking – a trivial risk compared to the annual 1-in-6,000 odds of being killed in a car crash. Risk analysts knew all about this safety gap.

Und unser Bauchgefühl ist mächtig. Was uns zu unvernünftigen aber vermeintlich guten Entscheidungen bringt.

It turned out that the shift from planes to cars in America lasted one year. Then traffic patterns went back to normal. Gigerenzer also found that, exactly as expected, fatalities on American roads soared after September 2001 and settled back to normal levels in September 2002. With these data, Gigerenzer was able to calculate the number of Americans killed in car crashes as a direct result of the switch from planes to cars. It was 1,595. That is more than one-half the total death toll of history’s worst terrorist atrocity. It is six times higher than the total number of people on board the doomed flights of September 11. It is 319 times the total number of people killed by the infamous anthrax attacks of 2001.

Als Flughafen-Dauergast sind solche Zahlen schon fast wieder beruhigend – wenn nur die Fahrt zum und vom Flughafen nicht wäre.

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Lebensläufe

In seinem Lebenslauf hat er unter der Rubrik Freizeitinteressen „Reisen“ eingetragen, aber dieses Hobby haben alle hier. Vermutlich ist es die einzige ihrer regelmäßigen Tätigkeiten, die besser klingt als Meeting, Office Day und Strukturanalyse.

Aus Beraten und verkauft: McKinsey & Co. – der große Bluff der Unternehmensberater. Ein Buch, das mit Vorsicht und viel Augenmaß zu lesen ist. Einseitig, oberflächlich und voller kleiner Fehler, die zu der Frage führen, wie ernst man solch ein Buch nehmen sollte. Aber eben auch immer mal wieder ein Bröckchen Wahrheit, das man aus dem umgebenden Gewirr schälen kann.

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Popkultur

Those Mayfair office blocks really are like the Tardis – far larger inside than they look.

Suzana S. – Confessions of a City Girl

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Indizien

Warren Ellis vielleicht ein Terrorist?!

Gentrification had stopped dead several doors west of my spot overlooking Avenue B.

Aus: Crooked Little Vein, Chapter 1

Der Tiger reagiert immer irgendwie irritiert und schaut ganz seltsam, wenn ich derart motiviert loskichere.

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Katze allein zu Haus

Die Eltern, denen das Arbeitszimmereckchen, in dem ich derzeit mein temporäres Lager aufgeschlagen habe, sind ausgeflogen. Das Brüderchen, das mich sonst gern mit zeitgenössischer Jugendmusik beschallt, hat sich ins örtliche Nachtleben verabschiedet. Und der Tiger? Der bereitet sich im an der Ostsee gelegenen Wohnzimmer auf die morgige Autofahrt und 2 Monate in Berlin vor.

Was macht man also an einem solchen Abend, wenn nichts Gescheites im Fernsehen läuft und ausnahmsweise mal keine dringenden Aufgaben rufen, die nicht auch bis morgen warten könnten? Genau! Man schnappt sich ein interessantes Buch♥♥, befüllt den MP3-Stick mit angenehmer Hintergrundmusik, sucht sich etwas aus dem umfangreichen Lush-Fundus aus und schrumpelt dann fröhlich in der der Wanne vor sich hin.

  1. So ungefähr bis Februar/März []
  2. ♥♥ Crécy habe ich mir ja leider gestern schon einverleibt []

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Vorfreude

Jetzt kann ich’s wirklich kaum noch erwarten, Crooked Little Vein: A Novel in die klebrigen Katzenpfötchen zu bekommen. *argh* Muss. Buch. Haben!

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Kaufentscheidungen

The World Is Flat: The Globalized World in the Twenty-first Century oder Schöner Denken. Wie man politisch unkorrekt ist?

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Kathy Reichs: Deadly Decisions

Es lag eine ganze Weile einfach nur da und starrte mich an. Wartete darauf, dass ich es endlich aufschlagen und zu lesen beginnen würde. Aber irgendwie konnte ich mich nicht dazu durchringen. Nicht, weil ich die ersten beiden Bücher nicht gut fand, nein. Eher, weil ich Angst hatte, dass meine Erwartungen zu hoch wären und ich enttäuscht würde.

Jetzt dagegen muss ich mich zusammenreißen, um nicht heimlich auf die letzten Seiten zu blättern. Ryan kann doch kein Verbrecher sein!

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Batgirl als Paradebeispiel der tapferen Bibliothekarin

Bibliotheken in den USA haben es nicht leicht. Immer wieder wollen besorgte Mitbürger Bücher auf den Index setzen lassen, um unschuldige Kinder vor diesen Machwerken zu schützen. Opfer der Übereifrigkeit: „Huckleberry Finn“, Stephen King, Klassiker von Shakespeare, „1984“, Virginia Wolf, „Harry Potter“, „Der Herr der Fliegen“ und viele, viele mehr.

Das lässt die American Library Association natürlich nicht auf sich sitzen und startet jedes Jahr im September die Gegenoffensive: Banned Books Week, die Woche der verbannten Bücher.

Was das jetzt mit Batgirl zu tun hat? Nunja, im richtigen Leben ist Barbara Gordon ja Bibliothekarin. Wer bietet sich da besser an als Ikone?
Und so kommt es, dass die Comicfigur auf Postern und Lesezeichen das Heldentum in us-amerikanischen Bibliotheken repräsentiert.

Librarian are Heroes every day

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