Mut und Tapferkeit

Mir wurde in den letzten Tagen mehrfach gesagt, wie mutig und tapfer ich doch wäre. Ich habe da lange drauf rumgekaut und nein, ich bin das nicht. Mutig jedenfalls nicht. Allenfalls stur, dickköpfig und hoffnungslos optimistisch. Wird schon gutgehen.

Bis der Gegenbeweis erbracht ist, gehe ich erstmal davon aus, dass es nicht an uns liegt, sondern sich wirklich nur um eine unglückliche Häufung der normal vorkommenden Abstoßungsreaktionen handelt. Pech gehabt halt.

Ich gehe auch nicht davon aus, dass mich noch einmal so eine Chaosgeburt mit Kaiserschnitt und Nachbehandlung erwartet. Und wenn doch, dann ist es so. Das werde ich, werden wir auch schaffen. Die Alternative, es nicht nochmal zu versuchen, ist keine.

Und auch mit der Tapferkeit steht es nicht viel anders. Ist es tapfer, wenn man etwas durchsteht, weil man es durchstehen muss? Hätte ich auf den Kaiserschnitt verzichtet, wäre unklar gewesen, was passiert. Einleitung, stundenlange Wehen, am Ende vielleicht doch ein Notkaiserschnitt, denn Knirpsis Herztöne fielen ja immer wieder ab. Die primäre Sectio war gewissermaßen der einfache Weg mit recht klar definiertem Ausgang.

Auch zu Bauchspiegelung und Ausschabung gab es keine echten Alternativen. Also nichts mit Tapferkeit.

Davon mal abgesehen, habe ich das alles auch nicht so locker genommen wie das manchmal im Nachhinein rüberkommt. Ich hatte Angst. So richtige, körperlich spürbare Angst. Ich habe letztes Jahr gefühlt 80% der Zeit im Krankenhaus geheult. Wäre es gegangen, ich wäre weggerannt. Ich wollte nach Hause und um Himmels willen nicht dort bleiben, nicht nochmal operiert werden. Aber es ging nicht anders.

Nein, ich bin nicht mutig und auch nicht tapfer. Nur stur. Verdammt stur.

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