Kalt
Ein wenig fröstelt es mich, als sie mir mit ihrem leicht schwingenden Gang, der besser wirken würde, träge sie Pumps statt Sneakers, entgegenkommt. Dabei ist es weniger der Blick mit dem sie mich bedenkt als ihre Kleidung, die mir Gänsehaut beschert.
Während ich mich bei lausigen 15 Grad über Null, bedecktem Himmel und einem kühlen Lüftchen darüber freue, dass ich erst vor kurzem einen Satz leichter Shirts mit 3/4-Armen erworben habe, die ideal sind für den Übergang oder eben miese Sommertage wie heute, stolziert sie mit einem Top die Straße entlang, das irgendwo zwischen Bauchnabel und Brustansatz endet. Dazu ein Jäckchen, das kaum das nötigste bedeckt und anscheinend aus der Kinderabteilung stammt.
Ich weiß nicht so recht, ob ich sie für ihre Kälteresistenz bewundern oder vielleicht doch lieber bemitleiden soll.
Wer weiß, vielleicht hat sie sich ja heute morgen einfach nur im Schrankfach geirrt und aus Versehen die Sachen ihrer kleinen Schwester angezogen?
Oder sie ist auf die seltsamen Größen von Läden wie Kenvelo reingefallen, wo 40/42 schon als XL gilt und jemand, der sich nicht an Magermodells orientiert, kaum etwas passendes finden wird.